Covid-19

Fakten und Zahlen: Carsharing während der Pandemie

Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Pandemie hat das Leben in den Großstädten und unser Mobilitätsverhalten auf den Kopf gestellt. Wie genau? Wir werfen einen Blick auf die Carsharing-Zahlen in diesem Jahr und haben – in einer gemeinsamen Publikation mit dem Mobilitätsinstitut Berlin (mib) – die Rolle von Carsharing während und nach dem ersten Pandemie-Höhepunkt im März-April 2020 untersucht. Die Ergebnisse haben alle überrascht. Finde es heraus 👇

Icon public transport bus train tram

Carsharing ist weniger betroffen als der öffentliche Verkehr

Die Nutzung von Carsharing ging während des Lockdowns dramatisch zurück. Insgesamt legten die Menschen in den Städten kürzere Fahrten zurück und entschieden sich vermehrt für die urbane Mobilität an der frischen Luft, z. B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Im April 2020 sanken die Carsharing-Mieten in Berlin um 56 % und in Hamburg um 62 % im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Leider sah es für den öffentlichen Nahverkehr düsterer aus. Im gleichen Zeitraum erreichte der ÖPNV in beiden Städten seinen Tiefpunkt mit einem Rückgang der Fahrgäste um mehr als 80 %.

Icon Fleet

Höhere Nachfrage nach dem Lockdown

Im Sommer wurden die Maßnahmen gelockert und wir erlebten ein überraschendes Comeback. Im Juli 2020, nach Ende des Lockdowns, stieg die Zahl der Carsharing-Mieten in Deutschland im direkten Vergleich zum April 2020 um 45 %. Im Hamburger Geschäftsgebiet ereigneten sich in dieser Zeit 55 % mehr Fahrten. Mitte Juni erreichte die Summe der Fahrminuten von SHARE NOW wieder rund 90 % des Vorkrisenniveaus. Demgegenüber gewann der ÖPNV in Berlin im gleichen Zeitraum nur 20 % der Fahrgäste zurück. Sowohl während als auch nach dem ersten Höhepunkt der Pandemie schenkten die Nutzer dem Carsharing mehr Vertrauen als dem ÖPNV.

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Autos werden länger behalten

Obwohl die Fahrten kürzer sind, behalten die Nutzer das Auto länger. Untersucht man die Gesamtzahl der Fahrminuten über einen bestimmten Zeitraum, ist ein deutlicher Anstieg der Gesamtfahrzeit festzustellen. Die durchschnittliche Carsharing-Mietdauer in Deutschland ist im Vergleich zum Jahresanfang um 27 % gestiegen – und das seit Beginn der Pandemie. In Frankfurt werden Autos bis zu 70 % länger gemietet als früher. In Berlin ist die durchschnittliche Fahrtdauer während der Krise von ca. 26 Minuten auf rund 32 Minuten gestiegen – ein Anstieg um fast 25 %. Im Mai 2020 übertraf die Gesamtmietdauer sogar das Vorkrisenniveau.

Graphic Development of public transport and car sharing demand during the beginning of the coronavirus crisis
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Der Berufsverkehr hat sich verabschiedet

Stadtplaner verzweifeln seit Langem an der Rushhour in den Städten. Überlastete Straßen, höhere Luft- und Lärmbelastung, mehr Unfälle und - bei überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln - ein höheres Risiko der Krankheitsübertragung. Da während der Pandemie mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, hat sich der Berufsverkehr fast vollständig aufgelöst. In unserer gemeinsamen Veröffentlichung spiegelt sich dieser Trend auch in unseren Carsharing-Zahlen wider: Die Nutzung von Carsharing ist in den frühen Morgen- und Abendstunden stark zurückgegangen. Stattdessen ist die Nutzung relativ stabil und verteilt sich vom späten Morgen bis zum frühen Abend. Mitte Juni stieg die Zahl der Carsharing-Mieten zwischen 10 Uhr morgens und 17 Uhr abends sogar wieder auf etwa 75 % des Vorkrisenniveaus an.

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Carsharing ist gleichmäßiger verteilt

Wer kennt es nicht? Du suchst ein Auto und genau dort, wo du es gerade brauchst, ist keins verfügbar. In den Zeiten vor der Krise war es eine große Herausforderung, unsere free-floating Autos gleichmäßig im Geschäftsgebiet zu verteilen. Um die Häufigkeit der App-Öffnungen nach Standort zu visualisieren, haben wir eine Heat-Map herangezogen (siehe das Beispiel von Berlin unten). Hier konnten wir dieses Jahr einen interessanten Trend in unseren SHARE NOW-Städten feststellen. Während der Pandemie ist die Nutzung von Carsharing im Stadtzentrum drastisch zurückgegangen ( 🔴 ) und im städtischen Umland gestiegen ( 🟢 ). Folglich dehnt sich Carsharing auf die Außenbezirke der Stadt aus und Autos werden gleichmäßiger über die ganze Stadt verteilt.

Figure: SHARE NOW app openings Coronavirus
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Kurzfristiger Zugang zu einem Auto

Umfragen zeigen, dass die Coronavirus-Pandemie das Interesse am privaten Autobesitz neu entfacht hat. Rund 20 % der ÖPNV-Nutzer in Deutschland beabsichtigen, auch nach der Pandemie öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Ein Drittel der Menschen ohne Auto gaben an, ein Auto zu vermissen. Da immer mehr Menschen nach einer risikoarmen Mobilitätslösung suchen, erwägen viele den Kauf eines eigenen Autos. In Städten, in denen Carsharing angeboten wird, erfüllen unsere Autos allerdings ebendiese Nachfrage. Laut einer kürzlich in Berlin durchgeführten Umfrage antwortete fast ein Viertel der Carsharing-Nutzer ohne Fahrzeug, dass sie ein Auto gekauft hätten, wenn es Carsharing nicht gäbe. Carsharing ist demnach nicht nur Zukunftsmusik, sondern deckt schon heute den urbanen Autobedarf, damit Stadtbewohner schon bald wieder auf öffentliche Verkehrsmittel setzen können.

Icon Europe EU SHARE NOW

Wegbereiter für die Stadt der Zukunft

Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren dieses Jahr hart, aber wir sind zuversichtlich, dass Carsharing in eurem Alltag auch nach der Pandemie eine wichtige Rolle spielen wird. Wo Radfahren, Laufen und öffentliche Verkehrsmittel nicht ausreichen, bietet Carsharing als wetterfestes und risikoärmeres Verkehrsmittel die richtige Alternative. Carsharing springt ebenfalls ein, um den vorübergehenden Anstieg der Nachfrage nach dem eigenen Auto zu decken. Schon vor der Pandemie haben Studien gezeigt, dass Carsharing das Potenzial hat, den privaten Autobesitz zu senken und Verkehrsüberlastungen entgegenzuwirken: Jedes gemeinsam genutzte Auto ersetzt bis zu 18,6 Autos im Straßenverkehr. Solange Menschen jetzt Zugang zu Carsharing haben, werden sie sich auch in Zukunft eher für eine Mischung aus Carsharing und öffentlichen Verkehrsmitteln entscheiden. All dies sind Wegbereiter für mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit in unseren Städten.

Gemeinsame Publikation

Du bist neugierig geworden?

Die oben erwähnten Studien und Quellen sind unserer gemeinsamen Publikation "Mehr Schutz, weniger Staus: Die Rolle des Carsharing in Zeiten von Corona" zu entnehmen. Unser SHARE NOW Business Intelligence Team und das Mobility Institut Berlin (mib) haben sich ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt und Antworten geliefert.